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Das einzige leicht erhältliche und anwendbare Verhütungsmethode für Männer ist noch immer das Kondom. Es ist das einzige Kontrazeptivum, das gleichzeitig Geschlechtskrankheiten vorbeugt, weshalb es gerade bei flüchtigen Sexualkontakten oder häufig wechselnden Geschlechtspartnern unverzichtbar ist. Mit einem hohen Pearl-Index bewährt es sich zudem als zuverlässige Verhütungsmethode. Doch auch das Kondom birgt Nachteile: So bemängeln viele Männer die unpraktische Anwendung und fürchten einen Libidoverlust. 


Klinische Studien zu alternativen Verhütungsmethoden für den Mann gibt es derzeit in Deutschland keine. Dabei zeigte bereits 2005 eine Studie, dass Männer Kontrazeptiva zur eigenen Anwendung durchaus befürworten. Wieso passiert also nichts?


Während die Zulassung der Pille für die Frau in den 1960er Jahren nur mit wenigen Sicherheitskriterien verbunden war, gelten in der heutigen Forschung strengere Vorgaben; Nebenwirkungen und Risiken werden nicht mehr leichtfertig in Kauf genommen. Die Forschung an sicheren Verhütungsmitteln, etwa durch klinische Studien, ist sehr teuer. Das Interesse der Pharmaindustrie, diese Forschung voranzutreiben, ist vernichtend gering. Mit der Pille für die Frau hingegen erwirtschaften Pharmaunternehmen auf leichtem Wege sehr hohe Einnahmen. In hormoneller Verhütung für Männer sehen ebendiese Unternehmen bisher keine rentable Einnahmequelle. Dabei sind etwa die Studien zur „Männerspritze“, einer Kombination aus gespritztem Testosteron und Gestagen, bereits abgeschlossen, ihre Wirksamkeit ist bewiesen. Warum ist sie dennoch nicht erhältlich?

Es wurde schon an vielen Verhü-

tungsmethoden geforscht, allerdings hat

es kein Produkt

auf den Markt 

geschafft.

 

Die Zeugungsfähigkeit des Mannes wird gesellschaftlich noch immer als Potenz- und Machtinstrument angesehen. Ein gesellschaftlicher Wandel, der veraltete und toxische Bilder von Männlichkeit hinter sich lässt und mehr explizit an Männer gerichtete Aufklärung zum Thema Empfängnisverhütung ist also längst überfällig. Sowohl Politik als auch Pharmaunternehmen müssen gemeinsam dafür sorgen, dass auch die Palette der Verhütungsmethoden für den Mann revolutioniert und marktfähig gemacht wird – mit einem Fokus auf einfacher Anwendung, einem niedrigen Pearl-Index und möglichst arm an Risiken und Nebenwirkungen.